Robert Seckelmann
Volksbäder in Schwelm bis 1984

mit freundlicher Genehmigung des Autoren

Unsere Stadt hat im Laufe der Jahre manches Freibad gehabt, aber nie mehr als eines gleichzeitig, jedes ein Schwelmebad, und seit 1974 zusätzlich ein Hallenbad.

1. „Schmermund's Teich"

Am 9. Juni 1851, am zweiten Pfingsttag, eröffnete Herr Wilhelm Schmermund an der Ölkinghauser Straße im Ortsteil Möllenkotten eine Bade- und Schwimmanstalt und empfahl sie in einer Anzeige vom 7. Juni 1851 im „Beobachter an der Bergisch-Märkischen Eisenbahn", einem Vorläufer der „Schwelmer Zeitung", "dem geehrten Publikum zur gefälligen Benutzung". Am 21.Juni 1851 bot der Militärschwimmlehrer Schaumann ebendort seine Dienste an und bemerkte dabei, „daß die Zeit von 7 bis 10 Uhr vormittags nur für Damen bestimmt ist" und „ein zweites Badehäuschen [...] in wenigen Tagen fertig und bequem eingerichtet sein wird". Das Bad wurde von der Schwelme gespeist. Es scheint allmählich an Anziehungskraft verloren zu haben. Gegen Ende des Jahrhunderts jedenfalls war „Schmermund's Teich" kein Bad mehr.

2. Notlösungen

An der heutigen Talstraße im Bereich der Kläranlage trieb die Schwelme im 18. Jahrhundert eine Schnupftabaksmühle an, in der im 19. Jahrhundert auch Getreide gemahlen wurde. Der Betrieb lohnte sich jedoch auf die Dauer nicht. 1886 wurde dort ein Restaurationsbetrieb eingerichtet, der in seinen Glanzzeiten bis zu 3000 Sitzplätze bot. Die ehemaligen Mühlenteiche trugen nun Gondeln und Kähne. Am 30. August 1893 hieß es in der „Schwelmer Zeitung", Frau Witwe Hogart, Besitzerin des Lokals „Schnupftabaksmühle", wolle dort eine große Badeanstalt mit Schwimmbassin und 30 bis 40 Zellenbädern bauen, eine inzwischen angebohrte Quelle liefere reichlich herrliches Wasser dafür. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß die Absicht in die Tat umgesetzt wurde. Wohl aber hieß es in einer "Bekanntmachung" der Polizeiverwaltung vom 5. Oktober 1898 in der „Schwelmer Zeitung", es hätte sich die Unsitte herausgebildet, daß nach Hochzeiten und anderen Festlichkeiten die Teilnehmer, meist am frühen Sonntagmorgen, lärmend zur Schnupftabaksmühle zögen, die Einfriedungen überstiegen, Kähne losrissen und Anlagen beschädigten, so daß die Polizei mit Strafen dagegen vorging. 1906 kaufte die Stadt die ganze Anlage für 85000,- Mark, um dort eine Abwasser-Kläranlage einzurichten.

Begeisterte Schwimmer suchten andere Lösungen und fanden sie im Bereich der (damals nicht vorhandenen) Kreuzung der Autobahnen A3 und A46, d.h. nördlich des Gebietes der Stadt Schwelm und fernab der Schwelme. 1911 wurde der Schwelmer Schwimmverein gegründet. Die Gründungsmitglieder verhandelten mit dem Wirt Käufer in Haßlinghausen, dem Besitzer des Teiches „Paradies", mit dem Ergebnis, daß sie, unterstützt von Schwimmern aus Barmen, den Teich entschlammten, ein Sprungbrett anlegten und einen Umkleideraum bauten. Noch 1911 veranstalteten sie dort ein Schwimrnfest.

Zu den Übungsstunden, angeboten an drei Tagen in der Woche, zog man zu Fuß und teilte den schlammigen Teich mit Aalen und Hechten. In der kalten Jahreszeit schwamm man in Barmen. Das Vergnügen im Paradies dauerte nur bis 1913. Der Teich wurde zum Gondeln und Angeln freigegeben. Der Schwimmverein bekam 1914 den nahe beim Paradies gelegenen Teich beim Eichenhof und eröffnete auch dieses Bad mit einem Schwimrnfest.
Im Ersten Weltkrieg endete dort der Schwimmbetrieb und wurde danach nicht wieder aufgenommen. Auch die Ton- und Sandgrube der „Ziegelei" an der Ecke Hattinger Straße/Heidestraße außerhalb der Stadt wurde zeitweilig zum Baden benutzt.

3. Das Bad in Möllenkotten

Im Jahre 1906 beschloß die Stadtverordneten-versammlung, anläßlich der Silberhochzeit
des Kaiserpaares am 27. August 1906 als Grundstock für eine Volksbadeanstalt 10000,- Mark zu stiften. 1907 erwog man Pläne für den Bau eines Hallenbades, aber dabei blieb es zunächst. Der Erste Weltkrieg hinterließ seine Spuren. Der Kaiser ging von Potsdam nach
Doorn. Die Firma Falkenroth & .Kleine kaufte „Schrnermund's Teich" und verpachtete ihn mit weiterem Gelände an die Stadt. Die baute dort unter Mithilfe des Schwimmvereins und mit dem Einsatz Erwerbsloser ein Freibad mit einem Schwimmerbecken, ausgelegt mit einer tiefen Rheinkiesschicht und versehen mit einem einfachen Sprungbrett und einem betonierten Nichtschwimmerbecken, ferner mit anfangs 13 Umkleidezellen und einem großen Umkleideraum. Später hatten der Arbeiterschwimmverein und der Schwelmer Schwimmverein dort eigene „Häuser". Die Familie Buschhaus betrieb einen Kiosk.
Das Bad wurde am 1. August 1921 eröffnet. Es soll am ersten Tag von etwa 2000 Gästen besucht worden sein. 1923 wurden 400 Mark eingenommen und für den Badebetrieb ausgegeben. Alex Möller sen., heute Konditor i. R. und immer noch aktiver Schwimmer, war der erste, der für 3 Mark eine Kinder-Jahreskarte kaufte. In dem Maße, in dem die Gäste mehr zum Baden und weniger zum Sehen -oder Gesehenwerden - kamen, genügte das Bad den Ansprüchen nicht mehr.

Das Bad war schon 1934 geschlossen und verfiel zu dem heute noch vorhandenen Tümpel
an der Ölkinghauser Straße. Der erste Bademeister war Ernst Homberg. Er setzte sich sehr
für das größere neue Freibad am Ländchen ein. Er wurde 1933 des Amtes enthoben. Rund
45 Jahre später spielte der Rat der Stadt Schwelm mit dem Gedanken, dort den nördlichen
Eingangsbereich zu einem (nicht verwirklichten) „Freizeit- und Sportzentrum Schwelmetal" anzusiedeln. Schwimmwillige Schwelmer waren wie früher auf Bäder vor allem in Barmen, seit 1929 Teil von Wuppertal, angewiesen.

4. Das Bad am Ländchen

Am Oberlauf der Schwelme, wenige hundert Meter unterhalb der Quelle, war „Adam´s Diek“. Er diente schon 1798 der sogenannten Glander Mühle,1838 wurde dort eine kleine Mahlmühle erwähnt, 1852 eine Knochenmühle, danach war dort „Krefft´s“, dann „Adam 's Hammerwerk", eine Feilenhauerei. Oberhalb des Teiches war der Hof des Bauern Mütze, der nach einem Luftangriff 1945 abbrannte, und auf dessen Grundmauern der Bauer Stiepermann baute. Noch weiter oberhalb liegt heute das Staubecken für das Schwelmebad. Diesen Teich und angrenzende Wald- und Wiesenstücke des Rittmeisters von Hövel, Besitzers von Schloß Martfeld, zusammen wohl mehr als 20000 m², erwarb die Stadt 1935 für 38600 Reichsmark. In den Jahren 1935/36 baute sie dort - unter Mithilfe des Reichsarbeitsdienstes - in gut einem Jahr ein großes Freibad, für das sie einschließlich Regulierungsarbeiten und Herstellen eines Staubeckens im außerordentlichen oder Vermögenshaushalt 150000 RM veranschlagte und aus Rücklagen dafür und aus Sparkassenzinsüberschüssen bereitstellte. Offenbar sind aber - die Unterlagen sind nicht vollständig - 177000 RM dafür ausgegeben worden. In den folgenden Jahren wies die Stadt in ordentlichen oder Verwaltungshaushalten noch einige 10000 RM für meist nicht näher beschriebene einmalige Ausgaben aus. 2000 RM z. B. wurden für Kinderspielgeräte sowie 30 Tische und 150 Stühle ausgegeben.

Das Bad wurde von Anfang an verpachtet. Bis zum Zweiten Weltkrieg betrugen die Einnahmen aus Eintrittskarten für Bade- und zeitweilig auch Eislaufbetrieb (auf dem Schwimmbecken) um die 12000 RM im Jahr, also rund 6,8% der ursprünglichen Baukosten.
Das neue Bad „am Ländchen" war vom Stadtbauamt unter der Leitung des Baumeisters Friedrich-Otto Clashausen geplant und gebaut worden. Es war nicht zuletzt auf Drängen des Schwimmvereins großzügig ausgestattet worden. Im Nordosten des Geländes, zum
Berg hin, wurden rund 4600 m² Wiese hinzugepachtet. Auf insgesamt rund 17500 m² enthielt das Bad ein halbkreisförmiges Planschbecken (Durchmesser 18 m), daran nach Norden anschließend ein 30 x 18 m großes Nichtschwimmerbecken mit Rutschbahn und ein 50 x 18 m großes Schwimmerbecken mit 10 m Sprungturm, zusammen rund 1570 m² Wasserfläche in drei Becken, ferner Umkleideräume, sanitäre Einrichtungen, Kasse und Diensträume und im Obergeschoß darüber eine Gaststätte mit Dachterrassen sowie eine Wohnung, schließlich große Liegewiesen und einen kleinen Wald. Auf einem zusätzlichen Gelände von etwa 5000 m² jenseits der Schwelmestraße befand und befindet sich
ein Stau- und Vorwärmbecken. Die Schwimmbecken konnten zwei- bis dreimal in der Saison mit dem angestauten Schwelmewasser gefüllt werden. Ein sich nach Osten an das Bad anschließendes, bergansteigendes Waldgrundstück der Stadt von etwa 1000m² bietet (noch heute) Erweiterungsraum. Am 11. August 1936 wurde das Bad in Betrieb genommen, danach fertiggestellt und zur Saison 1937 mit überregionalen Schwimmwettkämpfen förmlich eröffnet. Mit Plakaten z. B. auf den Bahnhöfen der Wuppertaler Schwebebahn und mit Postkarten warb man viele Jahre lang: „Besucht das schöne Schwelmebad im Kranz der grünen Berge.“
Nach dem Krieg wurde Ernst Homberg wieder Pächter und Bademeister. Unter anderm auf seine Anregung hin wurde 1952 nördlich des Sprungturms, d. h. schwelmeabwärts, nach Plänen des Schwelmer Architekten Albrecht Lutter ein Gebäude mit Sauna und Wohnung errichtet und an den Bademeister verpachtet. Die Sauna wurde am 23. Dezember 1952 eröffnet. Ab September 1969 betrieb der Bademeister Franke im Keller dieses Hauses zusätzlich eine zweite Sauna. Die Gaststätte wurde von 1937 bis 1944 und wieder nach dem Krieg von verschiedenen Gastwirten geführt.

Seit Mitte der sechziger Jahre machten sich mehr und mehr Mängel bemerkbar, begründet teils durch Verschleiß baulicher und technischer Einrichtungen (z. B. Verrohrung, Filteranlagen), teils durch strengere Anforderungen zuständiger Behörden (z. B. an die
Wasserqualität), teils durch höhere Ansprüche von Besuchern (z. B. nach warmem Wasser), teils durch mehrere solcher Gründe gleichzeitig (z.B. Umkleidehaus, sanitäre Einrichtungen). Mancher frühere Besucher erinnert sich sicher noch daran, daß man im Nichtschwimmerbecken oft seine eigenen Beine nicht sehen konnte. Zahlreiche Verbesserungen sollten die Mängel beheben, die Anziehungskraft des Bades steigern: 1965 erhielt das Bad eine Umwälzanlage und damit klares Wasser, 1966 wurden Filter- und Chlorierungsanlagen erneuert, der Wasserbereich wurde von Rosenbeeten eingerahmt, durchbrochen von Durchschreitebecken mit Duschen; hinzu kam eine betonierte Freifläche mit Tischtennisplatte. 1973 wurde eine Wassererwärmungsanlage gebaut, 1974 stellte man Garderobenschränke auf und änderte die Verwaltung der Garderobe. Der Bademeister Barth legte auf der Wiese nördlich, d.h. unterhalb und außerhalb des Bades, eine Kleingolfanlage an. Alle diese Maßnahmen für insgesamt über 600000 DM, von denen die Stadt ungefähr 500000 DM trug, konnten einen gründlichen, die Substanz erfassenden Umbau nicht ersetzen (so auch der Bäderfachingenieur Riedle, Wiesbaden,
1975 in einem Gutachten).
Am 24. Oktober 1973 beauftragte der Sportausschuß die Verwaltung, in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften in Köln-Lövenich ein Raumprogramm für ein modernisiertes Freibad mit Ausschreibungsunterlagen für einen Ideenwettbewerb dazu zu erstellen. Dabei sollte auch die Schaffung einer Schulsportanlage nördlich des Bades, also schwelmeabwärts zur Schule Jahnstraße und zu „Schmermund's Teich" hin, berücksichtigt werden.

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Die Freibad-Gaststätte wurde bis zum Ende der Saison 1976 betrieben, das Freibad - zuletzt mit Sondergenehmigung des Kreisgesundheitsamtes - ebenso. Auch das Saunagebäude war der Beanspruchung durch zwei Saunen nicht voll gewachsen. Der Saunabetrieb wurde Ende März 1978 eingestellt. Alle Hochbauten wurden im Juni und Juli 1978 abgebrochen. Am 2. September 1976 beschloß der Rat, dem Schiffsmodellbauclub die Nutzung des Staubeckens als Fahrgewässer für seine Modelle zu gestatten. Diesem Nebenzweck dient das Becken noch heute.

5. Das neue Bad am Ländchen

Bis Ende 1982 wurde nach den Plänen des Architekten Dierk Borchmann und des Gartenbauarchitekten Rudolf Benesch ein neues Schwelmebad gebaut. Die Sauna darin wurde am 21. Mai 1982 eröffnet, das Freibad am 21. Juli 1982 mit fünf entgeltfreien Tagen. Danach wurde es fertiggestellt und am 7. Mai 1983 noch einmal mit Schauveranstaltungen in Betrieb genommen.

6. Das Hallenbad

Die 1906 mit 10000,- Mark begonnene Rücklage für ein Volksbad galt offenbar einem Hallenbad. Bei der Stadt studierte man Zeichnungen eines Barmer Hallenbades, die auf Badeanstalten und Brausebäder spezialisierte Firma Fr. Mieddelmann &. Sohn aus Barmen entwarf 1907 ein Stadtbad für Schwelm. Eine davon ausgehende letzte Zeichnung des Stadtbaumeisters Bußmann zeigt ein imposantes mehrgeschossiges Verwaltungsgebäude mit Fahnentürmchen, darin neben dem Foyer mit Kasse 16 einzelne Wannen- und elf einzelne Brausebäder, darüber in mehreren Geschossen drei Wohnungen unterschiedlicher Qualität für Bedienstete, dahinter einen Kuppelbau mit einem 20 m x 9 m großen Schwimmbassin, um das sich in zwei Etagen Umkleide- und sanitäre Einrichtungen gliedern.
Die Zeichnungen enthalten keine Standortangaben, doch sollte das Bad wohl im Park an der Wilhelmstraße neben der Turnhalle an der Schillerstraße stehen. Es sollte etwa 300000 Mark kosten. Bis Mitte des Ersten Weltkriegs, also etwa 1916/17, waren rund 100000 Mark dafür angespart worden. Über den Verbleib des Geldes sind keine Angaben mehr vorhanden. Es ist wohl als Kriegsanleihe in Anspruch genommen worden und mit
dem Kaiserreich, spätestens durch die Inflation 1923, untergegangen. Das Bad wurde nicht gebaut.
Auch nach dem Bau des Freibades 1935/36 wurde der Wunsch nach einem Hallenbad immer wieder erneuert. Die Firma Hecker stiftete 1958 aus Anlaß ihres 150jährigen Bestehens 20000 DM für ein Hallenbad. Allmählich nahm der Wunsch Gestalt an. Im
Dezember 1965 stellte der Rat erste Überlegungen zum Bau und seinem Standort an. Im Heimatfestzug 1968 mit dem Motto „Ümmer drüöwer küern" wurden in Wagen- und Fußgängergruppen Anregungen dazu gegeben. Ein Nachbar führte dabei eine symbolische Sammlung für das Bad durch und überreichte die Kollekte in Höhe von 167,20 DM bei der Siegerehrung dem Stadtdirektor.

Der Verkehrsverein hatte sich schon Anfang der sechziger Jahre erfolgreich bemüht, mit
Spenden aus der Bürgerschaft der Evangelischen Gemeinde die Wiederbehelmung der
Christuskirche zu erleichtern. An diesen Erfolg erinnernd, lud er unter dem Vorsitz des
Rechtsanwaltes Gerd Mädje am 18. Dezember 1968 vor allem die Vertreter der Sportvereine ein, darüber hinaus aber jeden interessierten Bürger, ein „Bürgerschaftskuratorium für ein Hallenbad in Schwelm" zu gründen. Dessen Hauptaufgabe sollte es sein, die Mittel der Stadt durch Spenden für ein Hallenbad aufzustocken. Am 13. Januar 1969 wurde
das Kuratorium gegründet. -Die Bediensteten der Stadtverwaltung spendeten drei Jahre lang für ein Hallenbad und hofften, daß dieses Unterfangen bei anderen Unternehmen Schule machte.
In Rat und Presse wurde die Standortfrage erörtert. Ein Bau unmittelbar beim Freibad bot größere Flexibilität und Wirtschaftlichkeit für den Betrieb beider Bäder, ein Bau im Stadtzentrum leichtere Erreichbarkeit und damit vielleicht mehr Besucher für das Hallenbad, vor allem konnte es zu Fuß von den meisten Schulen der Stadt aus erreicht werden. Am 19. November 1968 beschloß der Rat, das Hallenbad am Ort des alten Bauhofs an der Ecke Mittel-/Herzogstraße zu bauen, d.h. ziemlich zentral gelegen. Für ein Raumprogramm holte die Verwaltung den Rat des Instituts für Sportstättenbau in Köln ein. Ursprünglich sollte ein ziemlich kleines Bad mit einem 25 m x 12,5 m großen Schwimmbecken gebaut werden. Gleichzeitig wurde erwogen, im neuen Schulzentrum West ein Lehrschwimmbecken einzurichten. Diese Absicht wurde zugunsten eines
größeren Hallenbades aufgegeben. Architekt und Baumeister Wolfgang Decker, Leiter des Hochbauamtes der Stadt, entwarf das Hallenbad. Der Rat nahm seine Planung am 17. März 1969 an. Das Raumprogramm umfaßte ein 25 m x 16,67 m großes Schwimmbecken mit einem 5 m hohen Sprungturm und -laut Beschluß vom 27. August 1969 - einen Hubboden außerhalb des Sprungbereichs, ein 9,2 m x 16,67 m großes Lehrschwimmbecken, zusammen 570 m² Wasserfläche in zwei Becken, sanitäre und Umkleideeinrichtungen, Kassenraum, Wohnung für einen Bademeister, eine erhöht liegende Milchbar mit Blick auf das Schwimmbecken, Geschäftsräume für einen Friseur und unter dem Umkleidetrakt eine Tiefgarage mit 26 Pkw-Stellplätzen. Das Bad sollte
1970/71 gebaut werden. Nach einer ersten Schätzung, die sich auf Kosten ähnlicher, aber früher gebauter Bäder andernorts stützte, sollte es – so z. B. der Etat für 1970 - 3,8 Millionen DM kosten. Der tatsächliche Kostenvoranschlag, wiedergegeben im Etat für 1971,
kam auf 6 Millionen DM, davon 90 000 DM für Einrichtung, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer.

Am 11. März 1970 erteilte die Regierung in Arnsberg die Baugenehmigung mit Förderungszusage. Die Bauleitung oblag dem Hochbauamt und damit dem Architekten. Am 30. März 1971 begann die Ausschachtung, am 24. Januar 1972 war Richtfest. Anfang 1973 war das Bad fast fertig. Es sollte am 27. April 1973 eröffnet werden. In den frühen Morgenstunden des 29. März 1973 wurde es durch einen Brand -hervorgerufen und genährt
durch eine Verkettung unglücklicher Umstände -weitgehend zerstört. Durch tatkräftigen Einsatz aller Beteiligten wurde es innerhalb gut eines Jahres wiederhergestellt und am 3. Mai 1974 eröffnet. Den Brandschaden trug mit fast 1,8 Millionen DM fast ganz die Versicherung. Der Kostenvoranschlag wurde dadurch im wesentlichen eingehalten. Die Stadt weist in ihrer Jahresrechnung 1976 für den Bau (ohne MWSt) 5 546 000 DM und für die Einrichtung zusätzlich (ohne MWSt) 92000 DM aus. Das Hallenbad kostete also 5638000 DM ohne, 6258000 DM mit Mehrwertsteuer. Da es sich um einen gewerbeähnlichen Betrieb handelt, erstattete das Finanzamt die Mehrwertsteuer. Die
Zuschüsse betrugen 582000 DM, die Spenden 522000 DM (!), der Eigenanteil der Stadt 4 534 000 DM, davon 100 000 DM als zinsloses Darlehen des Landes für zehn Jahre.


Das Bad 1973

1975/76 wurde ein großer öffentlicher Parkplatz zwischen Hallenbad und AOK angelegt.
Die Tiefgarage des Hallenbades wurde danach nur noch wenig genutzt. 1981 wurde sie durch ein Rolltor geschlossen. Die Nachbarschaften „Am Parlament" und „Äechte de Müer", der Tauchsportclub, der Skiclub und der Rassegeflügelzuchtverein erhielten je einen Lagerraum von etwa zwei Stellplätzen (rund 6 m x 6 m) zur Verwendung als Geräteraum. Die DLRG hat dort einen Stellplatz, die weiteren Stellplätze dienen als Parkplätze für Fahrzeuge des Personals oder sind an private Nutzer vermietet.

Im Februar 1979 wurden an den Längsseiten des Schwimmbeckens insgesamt 44 Niederspannungs -Halogen-Unterwasserstrahler eingebaut. Da die Milchbar wenig benutzt wurde, baute man sie 1979 um. Ein Teil vergrößerte die Wohnung des leitenden
Schwimmeisters, ein anderer wurde Clubraum für den Schwimmverein. Beide Maßnahmen zusammen kosteten 83000 DM einschließlich Mehrwertsteuer. Im März 1984 wurden in einem als Nebenraum genutzten Teil des Umkleidebereichs Kabinen für durch
Münzautomaten gesteuerte Solarien abgeteilt. Diese wurden gern in Anspruch genommen, so daß noch im selben Jahr die Zahl der Kabinen und damit der Sonnenbänke von zwei auf drei erhöht wurde.
Heute besitzt die Stadt zwei Volksbäder, die sie selbst betreibt: das Freibad, geöffnet in den warmen Monaten, etwa von Mitte Mai bis Ende August, d.h. rund 115 Tage im Jahr, und das Hallenbad, geöffnet in der übrigen Zeit mit Ausnahme einiger Feiertage, d. h.
rund 225 Tage im Jahr. Die als Teil des Schwelmebades gilt dem Freibad gebaute Sauna ist
verpachtet und das ganze Jahr hindurch geöffnet. Mit dem Saunaentgelt erwirbt man das Recht, das Freibad zu benutzen.


Der Verfasser war Mitglied des Rates der Stadt und einiger seiner Ausschüsse während des Neubaus des Schwelmebades. Dadurch wurde sein Interesse für die Bäder geweckt. Die vorliegende Darstellung wurde im März 1984 abgeschlossen. Sie stützt sich im wesentlichen auf Zeitungsartikel, die während des Neubaus 1978 -1982 und zur Wiedereröffnung des Schwelmebades in der örtlichen Presse erschienen, so den „Blick in die Geschichte des Freibadwesens" von Detlev Weinreich am 23.7.1981 in der Westfalenpost, den Bericht „Von Adam's Diek zum Schwelmebad" von Gerhard Kleinhempel in der Festschrift zum Schwelmer Heimatfest 1980“, auf die Festschrift „1150 Jahre Schwelmer Schwimmverein e. V. 1911“ (1961), ferner auf „Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung. Jahresgabe des Vereins für Heimatkunde Schwelm. Neue Folg(BHS), und zwar "Vom großen Teichsterben in unserer Stadt“ von Herbert Bergmann in BHS 6 (1956), "Versunkene Herrlichkeit: „ „Die Schnupftabaksmühle zu Schwelm“ von Hetty Limberg in BHS 7 (19571, auf Auskünfte von Amtsleitern der Verwaltung (Arndt, Sportamt; Dr. Blank, Stadtplanungsamt; Decker, Hochbauamt; Hamann, Kämmerei) sowie auf alte Haushaltssatzungen, Baupläne und andere Aufzeichnungen der Stadt, und schließlich auf Gespräche mit alten Schwelmern und Schwimmern. Den Mitarbeitern der Verwaltung und allen anderen Gesprächspartnern sei für ihre bereitwillige Unterstützung gedankt, ebenso denen, die die Vorlagen für die Abbildungen zur Verfügung stellten.