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Robert Seckelmann
Volksbäder in Schwelm bis 1984
mit freundlicher Genehmigung des Autoren
Unsere Stadt hat im Laufe der Jahre manches Freibad gehabt, aber
nie mehr als eines
gleichzeitig, jedes ein Schwelmebad, und seit 1974 zusätzlich
ein Hallenbad.
1. „Schmermund's Teich"
Am 9. Juni 1851, am zweiten Pfingsttag, eröffnete Herr Wilhelm
Schmermund an der Ölkinghauser Straße im Ortsteil Möllenkotten
eine Bade- und Schwimmanstalt und empfahl
sie in einer Anzeige vom 7. Juni 1851 im „Beobachter an der
Bergisch-Märkischen Eisenbahn", einem Vorläufer der „Schwelmer
Zeitung", "dem geehrten Publikum zur gefälligen Benutzung".
Am 21.Juni 1851 bot der Militärschwimmlehrer Schaumann ebendort
seine Dienste an und bemerkte dabei, „daß die Zeit von
7 bis 10 Uhr vormittags nur für Damen bestimmt ist" und „ein
zweites Badehäuschen [...] in wenigen Tagen fertig und bequem
eingerichtet sein wird". Das Bad wurde von der Schwelme gespeist.
Es scheint allmählich an Anziehungskraft verloren zu haben.
Gegen Ende des Jahrhunderts jedenfalls war „Schmermund's Teich" kein
Bad mehr.
2. Notlösungen
An der heutigen Talstraße im Bereich der Kläranlage trieb
die Schwelme im 18. Jahrhundert eine Schnupftabaksmühle an,
in der im 19. Jahrhundert auch Getreide gemahlen wurde. Der Betrieb
lohnte sich jedoch auf die Dauer nicht. 1886 wurde dort ein Restaurationsbetrieb
eingerichtet, der in seinen Glanzzeiten bis zu 3000 Sitzplätze
bot. Die ehemaligen Mühlenteiche trugen nun Gondeln und Kähne.
Am 30. August 1893 hieß es in der „Schwelmer Zeitung",
Frau Witwe Hogart, Besitzerin des Lokals „Schnupftabaksmühle",
wolle dort eine große Badeanstalt mit Schwimmbassin und 30
bis 40 Zellenbädern bauen, eine inzwischen angebohrte Quelle
liefere reichlich herrliches Wasser dafür. Es gibt keinen Hinweis
darauf, daß die Absicht in die Tat umgesetzt wurde. Wohl aber
hieß es in einer "Bekanntmachung" der Polizeiverwaltung
vom 5. Oktober 1898 in der „Schwelmer Zeitung", es hätte
sich die Unsitte herausgebildet, daß nach Hochzeiten und anderen
Festlichkeiten die Teilnehmer, meist am frühen Sonntagmorgen,
lärmend zur Schnupftabaksmühle zögen, die Einfriedungen überstiegen,
Kähne losrissen und Anlagen beschädigten, so daß die
Polizei mit Strafen dagegen vorging. 1906 kaufte die Stadt die ganze
Anlage für 85000,- Mark, um dort eine Abwasser-Kläranlage
einzurichten.
Begeisterte Schwimmer suchten andere Lösungen und fanden sie
im Bereich der (damals
nicht vorhandenen) Kreuzung der Autobahnen A3 und A46, d.h. nördlich
des Gebietes
der Stadt Schwelm und fernab der Schwelme. 1911 wurde der Schwelmer
Schwimmverein gegründet. Die Gründungsmitglieder verhandelten
mit dem Wirt Käufer in Haßlinghausen, dem Besitzer des
Teiches „Paradies", mit dem Ergebnis, daß sie, unterstützt
von Schwimmern aus Barmen, den Teich entschlammten, ein Sprungbrett
anlegten und einen Umkleideraum bauten. Noch 1911 veranstalteten
sie dort ein Schwimrnfest.
Zu den Übungsstunden, angeboten an drei Tagen in der Woche,
zog man zu Fuß und teilte den schlammigen Teich mit Aalen und
Hechten. In der kalten Jahreszeit schwamm man
in Barmen. Das Vergnügen im Paradies dauerte nur bis 1913. Der
Teich wurde zum Gondeln und Angeln freigegeben. Der Schwimmverein
bekam 1914 den nahe beim Paradies
gelegenen Teich beim Eichenhof und eröffnete auch dieses Bad
mit einem Schwimrnfest.
Im Ersten Weltkrieg endete dort der Schwimmbetrieb und wurde danach
nicht wieder
aufgenommen. Auch die Ton- und Sandgrube der „Ziegelei" an
der Ecke Hattinger Straße/Heidestraße außerhalb
der Stadt wurde zeitweilig zum Baden benutzt.
3. Das Bad in Möllenkotten
Im Jahre 1906 beschloß die Stadtverordneten-versammlung, anläßlich
der Silberhochzeit
des Kaiserpaares am 27. August 1906 als Grundstock für eine
Volksbadeanstalt 10000,-
Mark zu stiften. 1907 erwog man Pläne für den Bau eines
Hallenbades, aber dabei blieb es
zunächst. Der Erste Weltkrieg hinterließ seine Spuren.
Der Kaiser ging von Potsdam nach
Doorn. Die Firma Falkenroth & .Kleine kaufte „Schrnermund's
Teich" und verpachtete ihn mit weiterem Gelände an die
Stadt. Die baute dort unter Mithilfe des Schwimmvereins und mit dem
Einsatz Erwerbsloser ein Freibad mit einem Schwimmerbecken, ausgelegt
mit einer tiefen Rheinkiesschicht und versehen mit einem einfachen
Sprungbrett und einem betonierten Nichtschwimmerbecken, ferner mit
anfangs 13 Umkleidezellen und einem großen Umkleideraum. Später
hatten der Arbeiterschwimmverein und der Schwelmer Schwimmverein
dort eigene „Häuser". Die Familie Buschhaus betrieb
einen Kiosk.
Das Bad wurde am 1. August 1921 eröffnet. Es soll am ersten
Tag von etwa 2000 Gästen
besucht worden sein. 1923 wurden 400 Mark eingenommen und für
den Badebetrieb ausgegeben. Alex Möller sen., heute Konditor
i. R. und immer noch aktiver Schwimmer, war der erste, der für
3 Mark eine Kinder-Jahreskarte kaufte. In dem Maße, in dem
die Gäste mehr zum Baden und weniger zum Sehen -oder Gesehenwerden
- kamen, genügte das Bad den Ansprüchen nicht mehr.
Das
Bad war schon 1934 geschlossen und verfiel zu dem heute noch vorhandenen
Tümpel
an der Ölkinghauser Straße. Der erste Bademeister war
Ernst Homberg. Er setzte sich sehr
für das größere neue Freibad am Ländchen ein.
Er wurde 1933 des Amtes enthoben. Rund
45 Jahre später spielte der Rat der Stadt Schwelm mit dem Gedanken,
dort den nördlichen
Eingangsbereich zu einem (nicht verwirklichten) „Freizeit-
und Sportzentrum Schwelmetal" anzusiedeln. Schwimmwillige Schwelmer
waren wie früher auf Bäder vor allem in Barmen, seit 1929
Teil von Wuppertal, angewiesen.
4. Das Bad am Ländchen
Am Oberlauf der Schwelme, wenige hundert Meter unterhalb der Quelle,
war „Adam´s Diek“. Er diente schon 1798 der sogenannten
Glander Mühle,1838 wurde dort eine kleine Mahlmühle erwähnt,
1852 eine Knochenmühle, danach war dort „Krefft´s“,
dann „Adam 's Hammerwerk", eine Feilenhauerei. Oberhalb
des Teiches war der Hof des Bauern Mütze, der nach einem Luftangriff
1945 abbrannte, und auf dessen Grundmauern der Bauer Stiepermann
baute. Noch weiter oberhalb liegt heute das Staubecken für das
Schwelmebad. Diesen Teich und angrenzende Wald- und Wiesenstücke
des Rittmeisters von Hövel, Besitzers von Schloß Martfeld,
zusammen wohl mehr als 20000 m², erwarb die Stadt 1935 für
38600 Reichsmark. In den Jahren 1935/36 baute sie dort - unter Mithilfe
des Reichsarbeitsdienstes - in gut einem Jahr ein großes Freibad,
für das sie einschließlich Regulierungsarbeiten und Herstellen
eines Staubeckens im außerordentlichen oder Vermögenshaushalt
150000 RM veranschlagte und aus Rücklagen dafür und aus
Sparkassenzinsüberschüssen bereitstellte. Offenbar sind
aber - die Unterlagen sind nicht vollständig - 177000 RM dafür
ausgegeben worden. In den folgenden Jahren wies die Stadt in ordentlichen
oder Verwaltungshaushalten noch einige 10000 RM für meist nicht
näher beschriebene einmalige Ausgaben aus. 2000 RM z. B. wurden
für Kinderspielgeräte sowie 30 Tische und 150 Stühle
ausgegeben.
Das Bad wurde von Anfang an verpachtet. Bis zum Zweiten Weltkrieg betrugen
die
Einnahmen aus Eintrittskarten für Bade- und zeitweilig auch Eislaufbetrieb
(auf
dem Schwimmbecken) um die 12000 RM im Jahr, also rund 6,8% der ursprünglichen
Baukosten.
Das neue Bad „am Ländchen" war vom Stadtbauamt unter der Leitung
des Baumeisters
Friedrich-Otto Clashausen geplant und gebaut worden. Es war nicht zuletzt auf
Drängen
des Schwimmvereins großzügig ausgestattet worden. Im Nordosten des
Geländes, zum
Berg hin, wurden rund 4600 m² Wiese hinzugepachtet. Auf insgesamt rund
17500 m² enthielt das Bad ein halbkreisförmiges Planschbecken (Durchmesser
18 m), daran nach Norden anschließend ein 30 x 18 m großes Nichtschwimmerbecken
mit Rutschbahn und ein 50 x 18 m großes Schwimmerbecken mit 10 m Sprungturm,
zusammen rund 1570 m² Wasserfläche in drei Becken, ferner Umkleideräume,
sanitäre Einrichtungen, Kasse und Diensträume und im Obergeschoß darüber
eine Gaststätte mit Dachterrassen sowie eine Wohnung, schließlich
große Liegewiesen und einen kleinen Wald. Auf einem zusätzlichen
Gelände von etwa 5000 m² jenseits der Schwelmestraße befand
und befindet sich
ein Stau- und Vorwärmbecken. Die Schwimmbecken konnten zwei- bis dreimal
in der
Saison mit dem angestauten Schwelmewasser gefüllt werden. Ein sich nach
Osten an das
Bad anschließendes, bergansteigendes Waldgrundstück der Stadt von
etwa 1000m² bietet (noch heute) Erweiterungsraum. Am 11. August 1936 wurde
das Bad in Betrieb genommen, danach fertiggestellt und zur Saison 1937 mit überregionalen
Schwimmwettkämpfen förmlich eröffnet. Mit Plakaten z. B. auf
den Bahnhöfen der Wuppertaler Schwebebahn und mit Postkarten warb man
viele Jahre lang: „Besucht das schöne Schwelmebad im Kranz der grünen
Berge.“
Nach dem Krieg wurde Ernst Homberg wieder Pächter und Bademeister. Unter
anderm auf seine Anregung hin wurde 1952 nördlich des Sprungturms, d.
h. schwelmeabwärts, nach Plänen des Schwelmer Architekten Albrecht
Lutter ein Gebäude mit Sauna und Wohnung errichtet und an den Bademeister
verpachtet. Die Sauna wurde am 23. Dezember 1952 eröffnet. Ab September
1969 betrieb der Bademeister Franke im Keller dieses Hauses zusätzlich
eine zweite Sauna. Die Gaststätte wurde von 1937 bis 1944 und wieder nach
dem Krieg von verschiedenen Gastwirten geführt.
Seit Mitte der sechziger Jahre machten sich mehr und mehr Mängel
bemerkbar, begründet teils durch Verschleiß baulicher
und technischer Einrichtungen (z. B. Verrohrung, Filteranlagen),
teils durch strengere Anforderungen zuständiger Behörden
(z. B. an die
Wasserqualität), teils durch höhere Ansprüche von
Besuchern (z.
B. nach warmem Wasser),
teils durch mehrere solcher Gründe gleichzeitig (z.B. Umkleidehaus, sanitäre
Einrichtungen). Mancher frühere Besucher erinnert sich sicher noch daran,
daß man im Nichtschwimmerbecken oft seine eigenen Beine nicht sehen konnte.
Zahlreiche Verbesserungen sollten die Mängel beheben, die Anziehungskraft
des Bades steigern: 1965 erhielt das Bad eine Umwälzanlage und damit klares
Wasser, 1966 wurden Filter- und Chlorierungsanlagen erneuert, der Wasserbereich
wurde von Rosenbeeten eingerahmt, durchbrochen von Durchschreitebecken mit Duschen;
hinzu kam eine betonierte Freifläche mit Tischtennisplatte. 1973 wurde eine
Wassererwärmungsanlage gebaut, 1974
stellte man Garderobenschränke auf und änderte die Verwaltung der Garderobe.
Der
Bademeister Barth legte auf der Wiese nördlich, d.h. unterhalb und außerhalb
des Bades,
eine Kleingolfanlage an. Alle diese Maßnahmen für insgesamt über
600000 DM, von
denen die Stadt ungefähr 500000 DM trug, konnten einen gründlichen,
die Substanz
erfassenden Umbau nicht ersetzen (so auch der Bäderfachingenieur Riedle,
Wiesbaden,
1975 in einem Gutachten).
Am 24. Oktober 1973 beauftragte der Sportausschuß die Verwaltung, in Zusammenarbeit
mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften in Köln-Lövenich
ein Raumprogramm
für ein modernisiertes Freibad mit Ausschreibungsunterlagen für einen
Ideenwettbewerb dazu zu erstellen. Dabei sollte auch die Schaffung einer Schulsportanlage
nördlich des Bades, also schwelmeabwärts zur Schule Jahnstraße
und zu „Schmermund's Teich" hin, berücksichtigt werden.
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Die Freibad-Gaststätte wurde bis zum Ende der
Saison 1976 betrieben, das Freibad -
zuletzt mit Sondergenehmigung des Kreisgesundheitsamtes - ebenso.
Auch das Saunagebäude war der Beanspruchung durch zwei Saunen
nicht voll gewachsen. Der Saunabetrieb wurde Ende März 1978
eingestellt. Alle Hochbauten wurden im Juni und Juli 1978 abgebrochen.
Am 2. September 1976 beschloß der
Rat, dem Schiffsmodellbauclub die Nutzung des Staubeckens als Fahrgewässer
für seine Modelle zu gestatten. Diesem Nebenzweck dient das Becken noch
heute.
5. Das neue Bad am Ländchen
Bis Ende 1982 wurde nach den Plänen des Architekten Dierk Borchmann
und des Gartenbauarchitekten Rudolf Benesch ein neues Schwelmebad
gebaut. Die Sauna darin wurde am 21. Mai 1982 eröffnet, das
Freibad am 21. Juli 1982 mit fünf entgeltfreien Tagen. Danach
wurde es fertiggestellt und am 7. Mai 1983 noch einmal mit Schauveranstaltungen
in Betrieb genommen.
6. Das Hallenbad
Die 1906 mit 10000,- Mark begonnene Rücklage für ein Volksbad
galt offenbar einem
Hallenbad. Bei der Stadt studierte man Zeichnungen eines Barmer Hallenbades,
die auf
Badeanstalten und Brausebäder spezialisierte Firma Fr. Mieddelmann &.
Sohn aus Barmen entwarf 1907 ein Stadtbad für Schwelm. Eine davon ausgehende
letzte Zeichnung
des Stadtbaumeisters Bußmann zeigt ein imposantes mehrgeschossiges Verwaltungsgebäude
mit Fahnentürmchen, darin neben dem Foyer mit Kasse 16 einzelne Wannen-
und elf einzelne Brausebäder, darüber in mehreren Geschossen drei
Wohnungen unterschiedlicher Qualität für Bedienstete, dahinter einen
Kuppelbau mit einem 20 m x 9 m
großen Schwimmbassin, um das sich in zwei Etagen Umkleide- und sanitäre
Einrichtungen gliedern.
Die Zeichnungen enthalten keine Standortangaben, doch sollte das Bad wohl im
Park an
der Wilhelmstraße neben der Turnhalle an der Schillerstraße stehen.
Es sollte etwa
300000 Mark kosten. Bis Mitte des Ersten Weltkriegs, also etwa 1916/17, waren
rund
100000 Mark dafür angespart worden. Über den Verbleib des Geldes
sind keine Angaben
mehr vorhanden. Es ist wohl als Kriegsanleihe in Anspruch genommen worden und
mit
dem Kaiserreich, spätestens durch die Inflation 1923, untergegangen. Das
Bad wurde
nicht gebaut.
Auch nach dem Bau des Freibades 1935/36 wurde der Wunsch nach einem Hallenbad
immer wieder erneuert. Die Firma Hecker stiftete 1958 aus Anlaß ihres
150jährigen
Bestehens 20000 DM für ein Hallenbad. Allmählich nahm der Wunsch
Gestalt an. Im
Dezember 1965 stellte der Rat erste Überlegungen zum Bau und seinem Standort
an. Im
Heimatfestzug 1968 mit dem Motto „Ümmer drüöwer küern" wurden
in Wagen- und
Fußgängergruppen Anregungen dazu gegeben. Ein Nachbar führte
dabei eine symbolische Sammlung für das Bad durch und überreichte
die Kollekte in Höhe von 167,20 DM
bei der Siegerehrung dem Stadtdirektor.
Der Verkehrsverein hatte sich schon Anfang der sechziger Jahre erfolgreich
bemüht, mit
Spenden aus der Bürgerschaft der Evangelischen Gemeinde die Wiederbehelmung
der
Christuskirche zu erleichtern. An diesen Erfolg erinnernd, lud er unter dem
Vorsitz des
Rechtsanwaltes Gerd Mädje am 18. Dezember 1968 vor allem die Vertreter
der Sportvereine ein, darüber hinaus aber jeden interessierten Bürger,
ein „Bürgerschaftskuratorium
für ein Hallenbad in Schwelm" zu gründen. Dessen Hauptaufgabe
sollte es sein, die Mittel der Stadt durch Spenden für ein Hallenbad aufzustocken.
Am 13. Januar 1969 wurde
das Kuratorium gegründet. -Die Bediensteten der Stadtverwaltung spendeten
drei Jahre
lang für ein Hallenbad und hofften, daß dieses Unterfangen bei anderen
Unternehmen
Schule machte.
In Rat und Presse wurde die Standortfrage erörtert. Ein Bau unmittelbar
beim Freibad bot
größere Flexibilität und Wirtschaftlichkeit für den Betrieb
beider Bäder, ein Bau im
Stadtzentrum leichtere Erreichbarkeit und damit vielleicht mehr Besucher für
das
Hallenbad, vor allem konnte es zu Fuß von den meisten Schulen der Stadt
aus erreicht
werden. Am 19. November 1968 beschloß der Rat, das Hallenbad am Ort des
alten Bauhofs an der Ecke Mittel-/Herzogstraße zu bauen, d.h. ziemlich
zentral gelegen. Für ein
Raumprogramm holte die Verwaltung den Rat des Instituts für Sportstättenbau
in Köln
ein. Ursprünglich sollte ein ziemlich kleines Bad mit einem 25 m x 12,5
m großen
Schwimmbecken gebaut werden. Gleichzeitig wurde erwogen, im neuen Schulzentrum
West ein Lehrschwimmbecken einzurichten. Diese Absicht wurde zugunsten eines
größeren Hallenbades aufgegeben. Architekt und Baumeister Wolfgang
Decker, Leiter
des Hochbauamtes der Stadt, entwarf das Hallenbad. Der Rat nahm seine Planung
am
17. März 1969 an. Das Raumprogramm umfaßte ein 25 m x 16,67 m großes
Schwimmbecken mit einem 5 m hohen Sprungturm und -laut Beschluß vom 27.
August 1969 - einen Hubboden außerhalb des Sprungbereichs, ein 9,2 m
x 16,67 m großes Lehrschwimmbecken, zusammen 570 m² Wasserfläche
in zwei Becken, sanitäre und Umkleideeinrichtungen, Kassenraum, Wohnung
für einen Bademeister, eine erhöht liegende Milchbar mit Blick auf
das Schwimmbecken, Geschäftsräume für einen Friseur und unter
dem Umkleidetrakt eine Tiefgarage mit 26 Pkw-Stellplätzen. Das Bad sollte
1970/71 gebaut werden. Nach einer ersten Schätzung, die sich auf Kosten ähnlicher,
aber
früher gebauter Bäder andernorts stützte, sollte es – so
z. B. der Etat für 1970 - 3,8 Millionen DM kosten. Der tatsächliche
Kostenvoranschlag, wiedergegeben im Etat für 1971,
kam auf 6 Millionen DM, davon 90 000 DM für Einrichtung, jeweils einschließlich
Mehrwertsteuer.
Am 11. März 1970 erteilte die Regierung in Arnsberg die Baugenehmigung
mit Förderungszusage. Die Bauleitung oblag dem Hochbauamt und
damit dem Architekten. Am
30. März 1971 begann die Ausschachtung, am 24. Januar 1972 war Richtfest.
Anfang 1973
war das Bad fast fertig. Es sollte am 27. April 1973 eröffnet werden.
In den frühen Morgenstunden des 29. März 1973 wurde es durch einen
Brand -hervorgerufen und genährt
durch eine Verkettung unglücklicher Umstände -weitgehend zerstört.
Durch tatkräftigen Einsatz aller Beteiligten wurde es innerhalb gut eines
Jahres wiederhergestellt und am 3. Mai 1974 eröffnet. Den Brandschaden
trug mit fast 1,8 Millionen DM fast ganz die Versicherung. Der Kostenvoranschlag
wurde dadurch im wesentlichen eingehalten. Die Stadt weist in ihrer Jahresrechnung
1976 für den Bau (ohne MWSt) 5 546 000 DM und für die Einrichtung
zusätzlich (ohne MWSt) 92000 DM aus. Das Hallenbad kostete also 5638000
DM ohne, 6258000 DM mit Mehrwertsteuer. Da es sich um einen
gewerbeähnlichen Betrieb handelt, erstattete das Finanzamt die Mehrwertsteuer.
Die
Zuschüsse betrugen 582000 DM, die Spenden 522000 DM (!), der Eigenanteil
der Stadt
4 534 000 DM, davon 100 000 DM als zinsloses Darlehen des Landes für zehn
Jahre.

Das Bad 1973
1975/76 wurde ein großer öffentlicher Parkplatz zwischen Hallenbad
und AOK angelegt.
Die Tiefgarage des Hallenbades wurde danach nur noch wenig genutzt. 1981 wurde
sie
durch ein Rolltor geschlossen. Die Nachbarschaften „Am Parlament" und „Äechte
de
Müer", der Tauchsportclub, der Skiclub und der Rassegeflügelzuchtverein
erhielten je
einen Lagerraum von etwa zwei Stellplätzen (rund 6 m x 6 m) zur Verwendung
als Geräteraum. Die DLRG hat dort einen Stellplatz, die weiteren Stellplätze
dienen als Parkplätze für Fahrzeuge des Personals oder sind an private
Nutzer vermietet.
Im Februar 1979 wurden an den Längsseiten des Schwimmbeckens
insgesamt 44 Niederspannungs -Halogen-Unterwasserstrahler eingebaut.
Da die Milchbar wenig benutzt
wurde, baute man sie 1979 um. Ein Teil vergrößerte die Wohnung des
leitenden
Schwimmeisters, ein anderer wurde Clubraum für den Schwimmverein. Beide
Maßnahmen zusammen kosteten 83000 DM einschließlich Mehrwertsteuer.
Im März 1984
wurden in einem als Nebenraum genutzten Teil des Umkleidebereichs Kabinen für
durch
Münzautomaten gesteuerte Solarien abgeteilt. Diese wurden gern in Anspruch
genommen, so daß noch im selben Jahr die Zahl der Kabinen und damit der
Sonnenbänke von zwei auf drei erhöht wurde.
Heute besitzt die Stadt zwei Volksbäder, die sie selbst betreibt: das
Freibad, geöffnet in
den warmen Monaten, etwa von Mitte Mai bis Ende August, d.h. rund 115 Tage
im Jahr,
und das Hallenbad, geöffnet in der übrigen Zeit mit Ausnahme einiger
Feiertage, d. h.
rund 225 Tage im Jahr. Die als Teil des Schwelmebades gilt dem Freibad gebaute
Sauna ist
verpachtet und das ganze Jahr hindurch geöffnet. Mit dem Saunaentgelt
erwirbt man das
Recht, das Freibad zu benutzen.
Der Verfasser war Mitglied des Rates der Stadt und einiger seiner
Ausschüsse
während des Neubaus des Schwelmebades. Dadurch wurde sein Interesse für
die Bäder geweckt. Die vorliegende Darstellung wurde im März 1984
abgeschlossen. Sie stützt sich im wesentlichen auf Zeitungsartikel, die
während des Neubaus 1978 -1982 und zur Wiedereröffnung des Schwelmebades
in der örtlichen Presse erschienen, so den „Blick in die Geschichte
des Freibadwesens" von Detlev Weinreich am 23.7.1981 in der Westfalenpost,
den Bericht „Von Adam's Diek zum Schwelmebad" von Gerhard Kleinhempel
in der Festschrift zum Schwelmer Heimatfest 1980“, auf die Festschrift „1150
Jahre Schwelmer Schwimmverein e. V. 1911“ (1961), ferner auf „Beiträge
zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung. Jahresgabe des Vereins
für Heimatkunde Schwelm. Neue Folg(BHS), und zwar "Vom großen
Teichsterben in unserer Stadt“ von Herbert Bergmann in BHS 6 (1956), "Versunkene
Herrlichkeit: „ „Die Schnupftabaksmühle zu Schwelm“ von
Hetty Limberg in BHS 7 (19571, auf Auskünfte von Amtsleitern der Verwaltung
(Arndt, Sportamt; Dr. Blank, Stadtplanungsamt; Decker, Hochbauamt; Hamann,
Kämmerei) sowie auf alte Haushaltssatzungen, Baupläne und andere
Aufzeichnungen der Stadt, und schließlich auf Gespräche mit alten
Schwelmern und Schwimmern. Den
Mitarbeitern der Verwaltung und allen anderen Gesprächspartnern sei für
ihre bereitwillige
Unterstützung gedankt, ebenso denen, die die Vorlagen für die Abbildungen
zur Verfügung stellten.
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